Unter Historischen Wertpapieren versteht man im allgemeinen Aktien und Anleihen ohne reellen Marktwert. Diese Titel sind - egal aus welchen Gründen - für kraftlos erklärt worden und werden seit ca.25 Jahren gesammelt.

Schon immer waren die Menschen Jäger und Sammler und dieser Urtrieb hat sich bis heute gehalten. Kaum ein Mensch, der nicht sammelt, wobei es stets um dasselbe geht, sich auf einem bestimmten Gebiet zu spezialisieren und darüber möglichst viel zu wissen.

Historische Wertpapiere sind lebendige Zeugen einer großen Vergangenheit und eine faszinierende Welt voller Entdeckungen.

Viele Unternehmen ließen sich ihre Geschäftstätigkeit symbolisch auf ihren Wertpapie en darstellen und dazu holten sie sich die besten Graveure oder bekannte Maler wie Mucha, Casas oder Mintrop, um nur einige wenige zu nennen.

Auf feinstem Pergament-, Bütten- oder auch $-Notenpapier wurden die unterschiedlichsten Motive dargestellt. Eisenbahnen dampfen durchs Gebirge, Schiffe kämpfen mit den hohen Wellen, wie aber auch Autos, Flugzeuge, Tabakfelder, Weinreben, Goldsucher, Tierparks ganze Städte, oder auch nur feine, grafische Ornamentik, teilweise mit Echtgoldaufdruck. Historische Wertpapiere sind nicht nur Kapitaldokumente, sondern auch Kunstwerke, die den Stil der jeweiligen Zeit repräsentieren.

Sicherlich ist der Wunsch nach Reichtum so alt wie die Menschheit. Darum ist es nicht verwunderlich, dass man von Männern spricht, die den Reichtum verkörperten und mit ihrem Reichtum Geschichte gemacht haben. Dem vom Schuhputzer zum reichsten Mann der Welt aufgestiegenen John D. Rockefeller, der die Standard Oil gründete, oder die aus den unzähligen Wildwestfilmen bekannten Wells und Fargo, deren Postkutschen in keinem bekannten Wildwestfilm fehlen und die gleichzeitig die Gründer der American Express Comp. waren.

Genauso fehlen nicht die Namen wie Astor, Vanderbilt, Tiffany J.P. Morgan, Edison, Ford, Mannesmann oder Siemens, die Zeugen ehemaligen Pioniergeistes sind. Wertpapiere, die diese schwungvollen Unterschriften tragen, gehören in der Regel zu den blue-chips.

Diese Wertpapiere werden an keiner Börse der Welt mehr gehandelt, aber ihr Preis ist heute oftmals um ein vielfaches höher, als er je auf dem Börsenparkett ausgehandelt war.

In der Amsterdamer Börse ist die älteste Aktie der Welt ausgestellt. Es handelt sich hierbei um ein Zertifikat der Ostindischen Handelskompanie aus dem Jahr 1602. Da es sich nicht nur um die älteste bekannte Aktie, sondern auch scheinbar um ein Unikat handelt, ist das Wertpapier mit über einer Million Gulden versichert.

Der Wert eines Historischen Wertpapiers setzt sich aus vielen Punkten zusammen, die in der Gewichtung, bezogen auf das jeweilige Dokument, in der Kombination unterschiedlich zu bewerten sind, Dazu gehören die Branchenherkunft, das Alter und der geschichtliche Hintergrund, wie auch die Bedeutung des Unternehmens. Das Ursprungsland, die einstige Auflagengröße, die verfügbare Stückzahl, Erhaltung, Original-, bzw. Faksimileunterschriften und grafische Gestaltung.

Es ist sicherlich danach verständlich, dass die Gründeraktie der Siemens aus dem letzen Jahrhundert, die im Jugendstil gedruckt wurde, gleichzeitig epochale Geschichte schrieb und auch noch die Originalunterschrift des Firmengründers Siemens trägt, heute noch Weltbedeutung hat und auch noch selten dazu ist, einen weitaus höheren Preis hat und haben muß, als z.B. das Wertpapier der Fleischfabrik Robert Koschwitz von 1927.

Historische Wertpapiere sind vielfach älter und seltener als die Blaue Mauritius. Mehr als ein Dutzend dieser bekanntesten Briefmarken aus dem letzten Jahrhundert liegen bei betuchten Sammlern oder Geldanlegern in den Safes. Aber viele Sammler von Historischen Wertpapieren besitzen Aktien, die noch viel seltener sind, die aber heute noch einen Bruchteil der Mauritius kosten.

Heute sind Historische Wertpapiere noch ein Hobby für jeden Geldbeutel- und in 10 Jahren?

Die Gründe, Historische Wertpapiere zu erwerben, sind genauso vielfältig wie die alten Papiere selbst.

So gibt es neben dem Sammlerkreis, der nach klaren Richtlinien kauft, den Dekokäufer, den Anleger und Spekulant, wie aber auch den Bereich der Käufergruppe für Werbegeschenke. Die Käufergruppen kommen aus allen sozialen Bereichen, wie aus den verschiedensten Firmenbranchen.

Der Markt, der heute in Deutschland von wenigen Händlern und speziellen Auktionshäusern bedient wird, teilt sich ein derzeitiges Umsatzvolumen von knapp über € 10.000.000,-. Allerdings wären die Umsätze weitaus höher ansetzbar, wenn entsprechende Quantität von Papieren auf dem Markt wäre.

Eine höhere Quantität wird auch branchenverwandte Gruppen einbeziehen können. So würden der berufsmäßige Briefmarken- und Münzhandel als Wiederverkäufer einbezogen sein, auch fremdartige Auktionshäuser.

Derzeit besteht die aktuelle Möglichkeit, sich an einer nicht wiederholenden Menge von Historischen Wertpapieren direkt oder indirekt zu beteiligen, die einmalig ist.

In Berlin lagern derzeit unter Verwaltung des Bundesamtes zur Regelung offener Vermögensfragen (BARoV), zwischen 25-30 Millionen alte Wertpapiere, von denen heute eine Vielzahl noch nie auf dem Markt waren. Diese Papiere konfiszierte 1945 die Rote Armee und ließ sie als "wertlose Beute" in der ehemaligen DDR liegen.

Diese hier nun im "Lager der BARoVs" liegenden Historischen Wertpapiere stellen den gesamten Restbestand der Wertpapiere dar, der bis zum Ende des zweiten Weltkriegs emittiert wurde und der bis heute nicht auf den Sammler-/Käufermarkt gelangt ist. Der bzw. die zukünftigen Eigentümer dieser Papiere werden den Markt von Morgen bestimmen.

Erstmals können aufgrund der Aktien-Mengen, die hier in den kommenden Monaten auf den Markt gestreut werden, u.a. neue Absatzmärkte gewonnen werden. Neben den bisherigen Marktteilnehmern, die sich natürlich um die bis dahin nie aufgetauchten Titel bemühen werden, werden vor allem Wiederverkaufsnischen bei Fremdfirmen nicht unwichtige Absatzwege sein. Erstmals wären Preise und Mengen lieferbar, die auch einen Einstieg von Kaufhäusern und Versandgeschäften rechtfertigen werden. Ebenso wird der Mengenmarkt im Bereich für Werbung und Inzentiv neu gestaltet werden können. Original-Papiere, zu absolut günstigen Konditionen, können nun in großer Vielfalt an den Markt gebracht werden.

Davon ausgehend, dass auch aus dem Bereich des Münz- und Briefmarkenmarktes ein Bruchteil der Sammler in den kommenden fünf Jahren den Weg zu den Historischen Wertpapieren finden wird, was sicherlich als absolut realistisch genannt werden darf und hier mit nur 1% dargestellt werden soll, bedeutet das, dass alleine hierdurch ca. 75.000 neue Käufer akquiriert werden. Mit a. Wo., aus dieser Gruppe sind gegenüber der jetzigen Marktgröße allein fünf mal soviel neue Käufer zu akquirieren. Analog dazu, hätte der Markt ebenfalls ein entsprechend neues Umsatzvolumen, das sich, an der Käuferzahl anpassend, auf einem Niveau von mehr als 100 Mio. DM bewegen wird.

 

Literatur

Die amerikanischen Gründer auf Aktien und Anleihen /Commerzbank AG
Historische Aktien EUROPA / Verlag Hermann Schmidt Mainz
Historische Aktion ISA / Verlag Hermann Schmidt Mainz
Aufbruch auf Aktien / Verlag Wirtschaft und Finanzen Düsseldorf
Börsen-Lexikon / Verlag Oldenburg München
Kindlers Enzyklopädie "Der Mensch «/ Verlag Kindler AG Zürich
Die illustrierte und animierte Geschichte des Wertpapiers (Video)/ Verlag Swiss Securities Claering